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Thursday, 8 March 2007

Nach der Hochzeit

Dogma goes Mainstream, so oder ähnlich könnte man Susanne Biers Versuch empfinden mit ihrem neuen Film ein etwas größeres Publikum zu erreichen. Da verwundert es nicht, dass die Handlung auch recht einfach gestrickt ist, wenn auch mit dem einen oder anderen Twist versehen: Der Däne Jacob (Mads Mikkelsen) arbeitet als Sozialarbeiter in einem indischen Waisenhaus. Geldmangel ist hier nun seit Jahren an der Tagesordnung, so dass Jacob das Angebot des dänischen Industriellen Jörgen (Rolf Lassgård), der das Waisenhaus finanziell unterstützen möchte, zunächst nur widerwillig annimmt, aber dennoch in seine alte Heimat fährt um diesen zu treffen. Doch Jörgen zeigt wenig Interesse an Jacobs Projekt, vielmehr zögert er die Vereinbarung immer weiter hinaus, lädt ihn darüber hinaus zu der Hochzeit seiner Tochter Anna ( Stine Fischer Christensen) ein. Hier lernt Jacob auch Annas Mutter und Jörgens Ehefrau kennen: Helene (Sidse Babett Knudsen), seine ehemalige Freundin, mit der er schon Indien bereiste. Bald wird Jacob offensichtlich, dass Jörgen ihn kaum mehr nach Indien abreisen lassen möchte, nur der Grund der Verzögerungen bleibt ihm zunächst unklar. Ratlos wie Jacob, steht auch der Zuschauer vor einem Rätsel und sich, was die Regisseurin denn nun bezweckt. Eine relevante Kernaussage ist einfach nicht auszumachen. So bleibt Jacobs Beruf(ung) als Sozialarbeiter nicht mehr als ein konstruierter Aufhänger, bei dem der eine oder andere auch mal moralische Bauchschmerzen bekommt. Die komplette Handlung und Inszenierung befindet sich auf einem besseren TV-Niveau. Erfolgreicher, aber grundgütiger Industrieller, trifft schroffen Sozialarbeiter, dessen frühere Freundin nun dessen verbrämte, aber im Herzen grundgütige Frau ist.Solche banalen Charaktere mögen für Actionfilme reichen, doch wenn diese Figuren nun im Mittelpunkt des Geschehens stehen, ist man nach ca. 30 Minuten schon sehr genervt. Natürlich bleibt Biers Dogma Vergangenheit nicht unbemerkt. Handkamera und Großaufnahmen auf Augen, Münder sind ein zu leichtfertig benutztes Stilmittel. Gerade der Einsatz der Handkamera stört in den wenigen wirklich intimen Szenen ungemein, wenn die Darsteller wie losgelöst von der Handlung agieren, besitzt der Film seine größten Momente. Das Zusammentreffen zwischen Jacob, Jorgen und Helene in der Küche sprüht vor Energie und Intimität. Ohne große Stilmittel nur das losgelöste Spiel der Darsteller reicht um eine glaubhafte Atmosphäre zu schaffen, die leider allzu oft leider fehlt. Ebenso Jorgens Zusammenbruch im gemeinsamen Schlafzimmer: eine der wenigen Szenen die Gefühle der Figuren zu transportieren vermag. Rolf Lassgards Spiel zeichnet sich gerade hier aus, wie er den schmalen Grad zwischen Verzweiflung und Kampf unpathetisch darstellt. Leider werden auch diese seltenen Augenblicke werden banal zerstört. Jede noch so kleine Gefühlsregung, jede noch so kleine Geste, wird nicht nur ausgedehnt, vielmehr erstickt in unzweideutigen Szenen. Ein Haare streicheln, eine Berührung an der Schulter, ein Händchenhalten. Bier überlässt hier nichts der eigenen Interpretation, nichts wird angedeutet, sondern fast schon unsäglich zelebriert. Nun sind die Darsteller auch der einzige Lichtblick , alle spielen im Rahmen der engen Handlung durchaus überzeugend, doch fehlt der entscheidende Funke, der nicht überspringe vermag. Es fehlt eben die letzte Konsequenz, um wirklich mitfiebern zu können. Dafür ist die Regie zu unausgegoren, die jegliche aufkeimende Stimmung sofort abtötet. Furchtbar enervierend zeichnen sich neben dem die Schnittfolgen aus. Gänzlich unmotiviert wird jegliche Stimmung durch jump cuts zerstört. Diese Unzulänglichkeit wird eigentlich nur noch durch die völlig banal-metaphorische Darstellung des Todes durch verwelkte Blumen übertroffen. Willkommen beim ZDF-Sonntagabend-Film.



2 comments:

Dogma goes Mainstream. Sehr schöne Bezeichnung und zeigt den "Verrat" von Bier, die ja zu von Triers Dogma-Elite gehört hat und dem ganzen nunmehr mit ihrem USA-Projekt vollends den Rücken kehrt.

Muss jedoch sagen, dass auch wenn der Film nicht sonderlich spektakulär war, die Figuren und ihr Verhalten äußerst ehrlich waren und nicht filmisch-gekünstelt.

15 August 2007 11:27  

fand den Film fürchterlich, was aber am meisten an der miesen Regie lag. Die gute Frau Bier spar ich mir in Zukunft wohl.

15 August 2007 11:41  

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