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Wednesday, 7 November 2007

Abbitte

Das Jahr 2005 stellte sich für zwei Personen als wegweisend heraus:
Joe Wright schaffte mit seinem ersten Kinofilm Pride and Prejudice als Regisseur die bis dato beste Jane Austen Verfilmung abzuliefern und Keira Knightley konnte nun endlich beweisen, dass viel mehr in ihr steckt, als in zweitklassigen Rollen zu versauern. Zwei Jahre später fanden sich die Beiden erneut zusammen, diesmal für die Umsetzung von Ian McEwans Atonement. Beschäftigte sich Wright bisher mit dem 17. und 18.Jahrhundert, geht McEwans Roman nur zurück in die 40er Jahre des letzten Jahrtausends. Da will und kann sich die wohlsituierte Cecilia (Keira Knightley) der Liebe zum Gärtner Robbie Turner zuerst nicht stellen, doch kaum finden sie zusammen wird dieser von Cecilias kleiner Schwester Briony bewusst einer Vergewaltigung beschuldigt. Da England aber jeden Mann im Krieg gegen Hitler braucht, umgeht er das Gefängnis und dient an der Front in Frankreich. Der Kontakt des Paares reißt nie ab und als die englische Armee ihren Rückzug beginnt, wächst die Hoffnung, dass sie erneut vereint sein könnten.

Wie schon in Pride and Prejudice gelingt es Wright, innerhalb weniger Minuten sowohl eine Beziehung der Charaktere untereinander, als auch zum Zuschauer herzustellen. Da bedarf es keiner langen Exposition um festzumachen, dass Brionys Gefühlswelten zwischen Eifersucht, Liebe, Unsicherheit schwanken, im Grunde genommen reichte eine Einstellung, die das komplexe Verhältnis verdeutlicht. Hier präsentiert sich Cecilia infolge eines Tauchvorgangs nach einem abgebrochen Henkel einer Vase Robbie halbnackt und durchnässt, während ihre Schwester dies nun beobachten konnte und diese Szene kaum einzuordnen vermochte. Eine unruhige Hand, ein zorniger Blick, ein verstörtes Mädchen, die Zeit bleibt eine gefühlte Ewigkeit stehen. Eine fast unbedeutend erscheinende Szenerie und doch spiegelt sie alles wieder was Abbitte eben ausmacht und ihn hervorheben lässt. Genau hier offenbart der Film seine größten Stärken, nicht nur in Wiederholungen einzelner Szenen aus verschiedenen Standpunkten, oftmals gar explizite Großaufnahmen eigentlich kleiner, aber umso wichtiger Nebensächlichkeiten.
Dies mag vordergründig plump wirken, das Gegenteil trifft aber zu. Sie reihen sich ein in eine Vielzahl kleiner, großer Momente, eine Berührung der Hände, ein verlorener Ohrring, ein Postkarte. Kleinigkeiten wie eine Lüge, die aber große Wirkungen auszulösen vermögen. Wright schafft es unter anderem dadurch eine unglaubliche Intimität aufzubauen, die fast schon peinlich berührt. Seine Bilder sind oftmals Stillleben, die aber mit einer immensen emotionalen Vehemenz ausgestattet sind, dennoch die Darsteller aber nie als Staffage dienen, sondern diese Bilder auch auszufüllen vermögen. Allen voran Knightley und McAvoy, beide strahlen eine Präsenz aus, dass die Kamera leichtes Spiel hat und einfach nur „draufhalten“ muss um die gewünschte Wirkung zu erzielen. Waren Jane Austens Romane niemals nur schlichte Liebesromanzen, so ist McEwans Abbitte, eben auch nicht nur eine tragische Liebesgeschichte. Robbie Turners Herkunft wird nur zweimal thematisiert, dennoch bleibt sie im ersten Drittel des Films immer präsent und sei es nur durch die Präsenz Cecilias vermögende Verwandtschaft die sich durch die Herstellung von Marschverpflegung dem Krieg nicht nur entziehen, gar von ihm profitieren.
So sind es einerseits gesellschaftliche Verhältnisse, die kaum überwunden werden können, auch wenn sich eine vermeintlich bessere Gesellschaft in einer nicht mehr ganz so bequemen Lage befand. Eine Vergewaltigung mag niederträchtig sein, aber doch bitte eine Tatsache über den man am besten den Mantel des Schweigens legt, vor allem wenn ein vermeintlich Schuldiger gefunden. Abbitte zeichnet hier einen Realismus aus, der immer die Person in den Mittelpunkt stellt und sich nie an den schönen, zu romantischen oder einlullenden Bildern befriedigt. Die wohl faszinierendste Aufnahme, eine minutenlange Kamerafahrt durch das abziehende englische Herr in Dünkirchen, die komplett ohne Schnitt auskommt, zeigt Wrights Klasse, wenn diese zugegebenermaßen unnötig und im Kontext isoliert erscheint und am Ende nicht mehr als eine Fingerübung Wrights darstellt, sorgt sie für dauerhafte Gänsehaut.
Um so härter tritt dann auch ein formaler Bruch ein, der direkt ins Jahr 1999 führt. Eine alte Briony (Vanessa Redgrave mit einem prägnanten Kurzauftritt), inzwischen erfolgreiche Buchautorin, gibt ein Interview vor der Veröffentlichung des letztens Romans der natürlich Robbie und Cecilias Geschichte zum Thema hat. Und so wandeln sich nicht nur die Bilder, auch folgt eine meisterliche Auflösung. Zeichnete sich Pride and Prejudice noch durch seine wunderbare Leichtigkeit, aber nicht minder präzise Regie auf, gewinnt Abbitte durch seine Dramatik und seine noch präziseren Bilder die eine erneut grossartige Knightley zeigen.

1 comments:

Die wohl faszinierendste Aufnahme, eine minutenlange Kamerafahrt durch das abziehende englische Herr in Dünkirchen, die komplett ohne Schnitt auskommt, zeigt Wrights Klasse, wenn diese zugegebenermaßen unnötig und im Kontext isoliert erscheint und am Ende nicht mehr als eine Fingerübung Wrights darstellt, sorgt sie für dauerhafte Gänsehaut.

Meine Meinung exakt widergegeben, da freue ich mich, dass das noch jemand erkennt, dass dies an sich unnötig ist :)

Btw, wollte Knightley nicht mies machen, aber sie ist eben dürr wie ein Skelett (ich sage nur: Schulterblätter) und ihren Mund, bzw. die Lippen mag ich eben nicht ;)

10 December 2007 20:07  

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